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Latein

Salvete pueri puellaeque!

Bei uns am WdG entscheidet man sich wie an allen Gymnasien Hamburgs gegen Ende der 5. Klasse für eine 2. Fremdsprache: Und wie an den meisten Gymnasien steht auch am WdG das Fach Latein zur Wahl.

Wie muss man sich - etwa als „Neu-WdGler" oder als Angehöriger einer „älteren Latein-Generation" - den Unterricht in diesem Fach und die Vermittlung seiner Inhalte am WdG heute vorstellen?

Wir arbeiten von Klasse 6 an mit einem der neuesten Lateinbücher überhaupt, mit „Prima" - und das ist wirklich „prima"! Mehrere Lektionen stehen hier jeweils unter einem inhaltlichen Schwerpunkt (etwa Römisches Alltagsleben, Mensch und Götter, Rom und seine Provinzen) und innerhalb der einzelnen Lektionen sind Text, Bild- und Übungsmaterial eng aufeinander abgestimmt.

Uns Schüler(innen) gefällt das Buch schon durch sein ansprechendes Layout. Neben vielen informierenden Bildern gibt es z.B. auch antike Graffiti oder moderne Comics als Abbildungen. Die Übungen in den Lektionen sind vielfältig und kreativ gestaltet und beziehen sich nicht nur auf die sprachlich-grammatische Seite, sondern auch auf Übungen zu Inhaltlichem. Da gibt es Aufgaben zu Geschichte und Alltag der Römer, zu ihrer Mythologie und zum Weiterleben der lateinischen Sprache bis heute (Latein in der Werbung, lateinisches Vokabular in den romanischen Sprachen, im Deutschen, im Englischen). Man kann sich bestimmt vorstellen, dass ein solches Schulbuch zu einem abwechslungsreichen Lernen und Unterricht beitragen kann!

Im Unterricht spielt natürlich die Übersetzungs- und Spracharbeit eine große Rolle, wobei dies aber immer eingebettet in die konkreten Inhalte geschieht. Man sollte sich den Lateinunterricht nicht als reines Formen- und Vokabelnabfragen sowie als sture Übersetzungsarbeit vorstellen. Vokabeln und Formen gehören natürlich dazu, aber diese kann man durch verschiedene Übungen in ganz unterschiedlicher Weise trainieren (so haben wir öfter Rätsel gelöst, wie etwa Vokabel-Kreuzwort- bzw. Silbenrätsel, oder den „Störenfried" gesucht. Im Anfangsunterricht haben wir die „Vokabelschlacht" geliebt). Die im Buch öfter als Dialoge gestalteten Lektionstexte haben wir schon einmal spielerisch umgesetzt oder haben auch ein lateinisches Lied gesungen.

Nach dem 1. Lernjahr am Ende von Klasse 6 verfügt man über ein Basisvokabular sowie über die Kenntnis grundlegender grammatischer Strukturen. Dieses Wissen wird in der weiteren Spracherwerbsphase bis zum Ende der 8. Klasse ausgebaut, wobei die Methoden zur Texterschließung von Anfang an trainiert werden: Denn das Erschließen und Verstehen eines Textes steht im Unterricht im Vordergrund, nicht das Übersetzen einzelner Sätze.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass durch die Methoden zur Erschließung der lateinischen Texte das Textverständnis überhaupt geschult wird. Auch unser Verständnis für grammatische Konstruktionen im Deutschen ist durch das Lateinische stärker geschult worden. Im Lateinunterricht hat man übrigens auch keine Probleme mit der Rechtschreibung - schließlich muss man ja nicht in Lateinisch schreiben - oder der Aussprache, da alles so ausgesprochen wird, wie man es schreibt.

Nach der Arbeit mit dem Lateinbuch folgt in den Klassen 9 und 10 die sog. Lektürephase, während der dann auch das lateinisch-deutsche Lexikon zu seinem Einsatz kommt.

In dieser Phase gibt es ein breites Spektrum an Themen und lateinischen Autoren, anhand derer man Einblicke in die unterschiedlichsten Bereiche der römischen Kultur und Geschichte gewinnen kann. Wir haben z. B. in Klasse 10 griechische Mythen behandelt, den Philosophen Sokrates und den Kaiser Augustus „näher kennen gelernt" sowie Auszüge aus dem Werk Cäsars gelesen. Bei der Lektürearbeit nahm die Erarbeitung des jeweiligen kulturell-historischen Kontextes und die Interpretation der Texte einen breiten Raum ein; auch der Frage nach der Bedeutung der römischen Sprache und Kultur sowie ihrem Weiterleben bis in unsere Zeit sind wir immer wieder nachgegangen.

Auf den Spuren der römischen Kultur bietet sich für den Lateinunterricht an vielen Stellen natürlich der Einsatz von Filmmaterial an und als Höhepunkte Ausflüge und Exkursionen. So haben wir z. B. im vergangenen Jahr mit unserem Lateinkurs die Etrusker-Ausstellung im Bucerius-Kunst-Forum besucht. Und vor zwei Jahren haben wir im Sommer eine mehrtägige Exkursion nach Trier gemacht, wo man an allen Ecken „auf die Römer trifft". An diese tolle Kursreise erinnern wir uns immer noch!

Auch andere Städte wie z.B. Köln und Xanten würden sich für eine solche „Latein-Reise" anbieten - und wäre es nicht toll, mit einem Oberstufenkurs einmal die Hauptstadt der Römer, Rom selbst, zu besuchen?

Für uns steht jetzt am Ende von Klasse 10 mit dem Erreichen des Latinums fest, dass wir durch Latein in sprachlicher, methodischer und kultureller Hinsicht vieles gelernt haben und sich uns auch im 21. Jahrhundert dadurch viele Möglichkeiten bieten!

Valete pueri puellaeque!

Andrea Zander und Natascha Simons