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Das Fotolabor

Das Fotolabor in den Katakomben des Nordflügels ist eine Institution am WdG. Es existiert bereits seit 1962. Das Labor war der Treffpunkt vieler Oberstufenschüler und aller an der Fotografie Interessierten. Zeitweilig musste es auch als Cafeteria-Ersatz herhalten. Auch die Karikaturen und Sprüche, die dort noch teilweise an den Wänden zu finden sind, resultieren aus jener Zeit. Es hat also eine für die Schule historische Bedeutung.

Herr Ranke, der 1985 als Lehrer an die Schule kam und seit den späten 80er-Jahren das Labor leitet, erinnert sich noch gut an seine Anfangszeit im Fotolabor: „Als ich an die Schule kam, lief das Labor weitgehend unter der Regie von Schülern. Es gab zwar auch einige Lehrer, die Kurse dort veranstalteten, aber größtenteils war es eine sehr gut funktionierende Schülereinrichtung. Auch als ich anfing, die ersten Kurse zu veranstalten, war das Labor noch komplett in Schülerhand, allerdings lag das wohl auch daran, dass alle Kurse im Rahmen von Arbeitsgemeinschaften abliefen. Erst gegen Ende der 80er-Jahre wurde der Wahlpflichtbereich zeugnisrelevant und so haben wir die Fotografie mit in den Bereich der Bildenden Kunst übernommen. In dieser Zeit übernahm ich auch langsam die Organisation des Labors und die gesamte früher sehr lockere Einrichtung wurde notenorientierter."

Von da an leitete Herr Ranke meistens zwei Kurse, manchmal dazu noch einen Fortgeschrittenenkurs pro Schuljahr. Dazu kümmerte er sich darum, das anfangs durch eine große Spende des Schulvereins finanzierte Equipment des Labors zu erweitern und zu vervollständigen, indem er für die Schule immer dort, wo z.B. ein professionelles Labor pleite ging, Vergrößerungsgeräte und ähnliches erbat. So sei auch dieser „sehr mysteriöse", aber mit dreizehn Vergrößerungsgeräten doch recht ansehnliche Gerätepark im Labor zustande gekommen.

Schon damals bestückte Herr Ranke die Schule mit Bildern aus dem Fotolabor, immer mit der Hoffnung, dass der Kurs, den er gerade führte, wenigstens ein paar richtig gute Bilder hervorbrachte, die man auf das größte Maß, 30x40, vergrößern konnte. Da es aber auch immer wieder Kurse gab, in denen es mehr um das Probieren ging, kamen oft nur mittelmäßige kleine Bilder dabei heraus und so dauerte es oftmals 4 Kurse, bis wieder gute Bilder produziert wurden, mit denen man eine Vergrößerung auf besagtes Maß wagen konnte.

Vor allem die doch immer noch mit keiner Unterrichtsstunde vergleichbare Stimmung im Labor sei einzigartig, so Herr Ranke. Meistens bestehen nur die ersten Stunden aus Unterricht, danach kommt die praktische Arbeit, in der immer viel gelacht wird, und die Stimmung ähnelt auch aufgrund individueller Arbeitszeiten mehr einer AG. Auch bei den Schülern erfreute sich das Labor immer noch großer Beliebtheit, die sogar so weit ging, dass sie länger als notwendig, oftmals bis sechs Uhr Abends, im Labor blieben. Zwei Mädchen beispielsweise vergaßen einmal über ihren Fotos dermaßen die Zeit, dass ihnen erst um 22 Uhr auffiel, wie dunkel es draußen war, so dass sie, da die Schule bereits abgeschlossen war, durch die Fenster des Labors ‚ausbrachen' und sich eine Predigt des Hausmeisters anhören mussten.

Auch mit dem Aufkommen der Digitalfotografie an der Schule und der zunehmenden privaten Nutzung dieser Kameras sei die Begeisterung der Schüler für Schwarzweiß oder allgemein analoge Fotografie nicht geringer geworden, im Gegenteil. Trotz des Vormarsches der Digitalfotografie herrsche ein noch größeres Interesse für die analoge Fotografie als vorher, urteilte Herr Ranke aus den Rückmeldungen der Schüler, die er zu ihrer Labortätigkeit bekommt. Auch die Wirtschaft boome bei den Firmen im Schwarzweiß-Bereich wie selten zuvor, und Firmen wie z.B. Ilford, die zu unflexibel auf diese neue Marktumstellung reagiert haben, hätten Pleite gemacht.

Der Wunsch der Schüler, etwas Handwerkliches zu machen, sei sehr groß, da es vielen nicht mehr reiche, einen Knopf auf der Tastatur zu drücken, um das Bild zu verändern, denn das sei, als würde man einen Bericht auf der Schreibmaschine anfertigen. Viel mehr würden die meisten Schüler ihr Bild wirklich selbst beeinflussen und seinen Werdegang verstehen wollen, indem sie z.B. mit den Chemikalienzusammensetzungen ‚spielen', oder die Gradation eines Bildes verändern. Vor allem in der Mittelstufe sei sowohl die Notwendigkeit als auch der besondere Wunsch seitens der Schüler vorhanden, ein Handwerk wie die Laborarbeit zu lernen. Herr Ranke erzählte, dass sogar einige Eltern ihre Kinder nur aufgrund des Fotolabors an der Schule angemeldet hätten, da diese Einrichtung für Schulen doch ziemlich einzigartig sei.

Solange Herr Ranke das Fotolabor noch leitet, wird es also weiter bestehen und großes Interesse seitens der Schüler und auch Eltern auf sich ziehen. Doch wenn Herr Ranke pensioniert wird, wird sich die Frage stellen, wer das Fotolabor übernimmt. Dafür hat sich noch niemand gefunden. Mit einem leicht traurigen Unterton in der Stimme erzählt Herr Ranke, dass das Fotolabor dann vermutlich eingestellt werden wird. Sicherlich könnte man es in den Bereich Bildende Kunst übernehmen, aber zum einen gäbe es keinen anderen Fotografielehrer wie Herrn Ranke an der Schule und zum anderen betrieben auch viele Kunstlehrer Digitalfotografie, da man das Ergebnis sofort in den Händen halten könne und nicht erst einen langwierigen Entwicklungsprozess mit Probestreifen usw. ausführen müsse. Herr Ranke hofft daher vor seiner Pensionierung noch Schüler für die Weiterführung des Labors gewinnen zu können, und ist auch überzeugt davon, dass es einige Schüler geben wird, für die analoge Fotografie weiterhin wichtig sein wird. „Aber auch diese Schüler machen irgendwann Abitur und alles läuft darauf hinaus, dass das Fotolabor in ein paar Jahren geschlossen wird." Deshalb bittet Herr Ranke alle, die Interesse an der analogen Schwarzweiß-Fotografie haben, irgendwann das Fotolabor zu übernehmen und wenigstens für ein paar Jahre weiterzuführen.

Ole Schley